Bundeswehr raus aus den Schulen

 

Bundeswehr raus aus den Schulen

 

Am 28. März 2012 fand in der städtischen Berufsschule 1 eine Informationsveranstaltung der Bundeswehr statt. Ein junger Pazifist verweigerte die Teilnahme an diesem Rekrutierungsversuch und brachte damit zum Ausdruck, was derzeit bei vielen Menschen im Kopf vorgeht: “Bundeswehr raus aus den Schulen”.

 

Linksjugend Augsburg solidarisiert sich mit dem jungen Mann und nahm diesen Fall zum Anlass, sich in einem offenen Brief an den Schulleiter zu wenden, um für eine Beendigung der Kooperation zwischen der Berufsschule 1 und der Bundeswehr zu appellieren:

 

Sehr geehrter Herr Sporer,

wir wenden uns in diesem offenen Brief an Sie mit dem Appell aber auch der Bitte, die Kooperation der von Ihnen geleiteten Schule mit der Bundeswehr zu beenden! Bereits seit geraumer Zeit scheinen Sie es zu dulden, dass unter Nichtbeachtung des Beutelsbacher Konsenses Jugendoffiziere der Bundeswehr an Ihrer Bildungseinrichtung Rekrutierungsversuche unternehmen.

Seit dem Jahre 2005 arbeitet die Bundeswehr im gesamten Bundesgebiet verstärkt an Vereinbarungen mit Schulen, stellt Jugendoffiziere dafür ab und bietet Unterrichtsbesuche an. Darüberhinaus startete sie eine Kampagne mit den sogenannten „Karriere-Trucks“, die auf öffentlichen Plätzen und Schulhöfen halt machen und die Bundeswehr als vermeintlich sicheren Arbeitsplatz anpreisen. Die jeweiligen Landesregierungen weisen die Entscheidungsverantwortung von sich und erklären, das sei Befugnis der Schulleiterinnen und Schulleiter. Deshalb senden wir Ihnen, Herr Sporer diesen Brief.

Der Beutelsbacher Konsens von 1976, der sehr sinnvolle Maximen pädagogischen Handelns beschreibt und Ihnen als Pädagoge sicher bekannt ist, erwartet von Schulen, ihre Arbeit an drei Grundsätzen auszurichten.

  1. Überwältigungsverbot.
  2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
  3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren.

Eine Kooperation mit der Bundeswehr, in der Art, wie sie unter anderem am 28.03.2012 in Ihrer Schule stattfand, widerspricht zweien davon in aller Deutlichkeit. Die Bundeswehr führt ihre Werbungsveranstaltungen nicht kontrovers durch, sie beschränkt sich auf Informationen und Fakten, die ihre eigenen Ansichten untermauern. Unkommentiert ist so etwas als verpflichtendes Unterrichtsmittel mit Blick auf den Beutelsbacher Konsens nicht hinnehmbar.

Problematisch sind auch die Karriere-Veranstaltungen, die die Bundeswehr als guten und sicheren Arbeitsplatz präsentieren. Die Jugendlichen wachsen heute in einer Realität auf, in der sie hunderte Bewerbungen mit Absagen zurückgeschickt bekommen. Nun lockt die Bundeswehr mit Stellenangeboten an „interessanten Orten“, mit kostenlosen Führerscheinen und einem allgemeinen Abenteuercharakter.

Das wird vielen verlockend vorkommen. Jedoch fällt kein Wort über die Realität der Soldaten, über Verwundung, über den Befehl, Menschen zu erschießen oder den eigenen Tod. Das ist unehrlich, unausgewogen und nicht mit Grundsätzen der Pädagogik vereinbar.

Wenn die Bundeswehr eingeladen wird, so müssten auch immer pazifistische Gruppen und Deserteure eingeladen werden.

Wir bitten also Sie, als Schulleiter, die Kooperation mit der Bundeswehr abzubrechen.

 

Hochachtungsvoll

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