„Kein Bock auf Deutschland!“ – Gegen den schwarz-rot-goldenen Partypatriotismus!

Vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 findet die Männer-Fußball-EM in Frankreich statt. In Augsburg und im Rest der Republik wird sie begleitet von schwarz-rot-goldenen (Auto-)Fahnen, Public Viewing – Events und betrunkenen Fußballfans im Schland-Fieber.  Alles nicht so schlimm, oder?
Finden wir schon! Denn alle zwei Jahre bricht mit dem Spektakel auch eine Welle von Patriotismus, Nationalismus und Rassismus in Wort und Tat aus.
Schon in den Wochen vor dem Turnier sorgen nichtweiße deutsche Fußballnationalspieler auf Schokoladepackungen bei besorgten Bürgern für Schnappatmung und rassistische Ausfälle. Alexander Gauland (AfD) hatte wahrscheinlich leider Recht, als er davon schwadronierte, die Leute hätten jemanden wie Jerome Boateng nicht gern als Nachbarn.

DU bist Deutschland?

Patriotismus ist kein ungefährlicher Stolz oder das Anfeuern eines bestimmten Fußballteams, sondern eine Konsequenz der Konstruktion von Nationen, die Menschen ausschließen und gefährden. Damit dieses System am Leben gehalten werden kann, braucht es auch nationale Identitäten. Diese werden über Medien, Schulunterricht aber auch einfach nur durch Symbole erzeugt. Indem wir zum Beispiel alle mit Deutschlandfahnen wedeln oder uns schwarz-rot-gelbe Schminke ins Gesicht malen, zeigen wir zu welcher Nation wir gehören und wo unser Platz auf diesem Planeten sein soll. Menschen, die eine bestimmte Nationalität besitzen, werden außerdem spezifische Eigenschaften zugeschrieben. Hierfür werden Gemeinsamkeiten zwischen Menschen in einem Land betont, obwohl es Unterschiede gibt und Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Länder betont, obwohl es Gemeinsamkeiten gibt. Die Konstruktion solcher nationaler Identitäten ist nicht nur blödsinnig, sondern führt auch zu Vorurteilen und Rassismus, spätestens wenn beispielsweise von „faulen Griechen“ gesprochen wird.

Wo es ein „Wir“ gibt, gibt es auch ein „die Anderen“

Nationalismus oder Patriotismus, das heißt immer auch Ausgrenzung durch Unterscheiden zwischen Menschen, die der Nation zugehören und „den Anderen“. Willkürlich wird anhand von Merkmalen wie der Herkunft festgelegt, wer angeblich natürlicherweise deutsch sein darf und wer eben nicht. Menschen, die es nicht sind, werden abgewertet, beispielsweise durch rassistische Einwanderungspolitik und Abschiebung von Geflüchteten, der Einschränkung des Wahlrechts von Menschen ohne deutschen Pass sowie Alltagsrassismus in all seinen Facetten. Schon vor der EM wird diskutiert, ob denn auch alle die deutsche Nationalhymne mitsingen und bei Özil oder Khedira ganz genau hingeschaut, weil sie aus dem Raster des Deutschen, wie Nationalist*innen sich sie vorstellen, fallen. Der ehemalige DFB-Präsident Mayer-Vorfelder, der eine Hymnenpflicht fordert, sagt dazu, einen „halben Deutschen“ dürfe es eben nicht geben. Das zeigt, dass auch im angeblich so modernen deutschen Nationalstolz völkische Vorstellungen noch immer eine Rolle spielen und Menschen auf ihren „Migrationshintergrund“ reduziert werden.

Nationalismus und soziale Missstände

Nationen sind konstruiert und haben schlimme Nebenwirkungen – trotzdem wird Deutschland (nicht nur) zur EM gefeiert. Eine Konsequenz der Vorstellung man sei Teil einer nationalen Gemeinschaft ist, dass dies von den Zuständen, die uns im Alltag eines kapitalistischen Systems begegnen, ablenkt. Von Leistungsdruck, schlechter Bezahlung, fehlender Zeit zum Chillen und Spaß haben. Von diesem Effekt wird gerade in Krisenzeiten Nutze gemacht, wenn zur Legitimation von Kürzungen „nationale Interessen“ beschworen werden, zugunsten derer eben alle im Land „den Gürtel enger schnallen“ müssen. Das funktioniert vielleicht insofern, als dass Deutschland auf Kosten anderer europäischer Länder billiger exportieren kann und für Unternehmen ein attraktiverer Wirtschaftsstandort wird als konkurrierende Nationen, eine solidarische Gesellschaft und ein schönes Leben für alle erreichen wir dadurch sicher nicht.

Vorfreude in Frankreich?

In Frankreich fiebert man nicht der EM entgegen. Der eskalierte Konflikt um das Arbeitsgesetz bestimmt das Geschehen. Streiks – unter anderem in Atomkraftwerken - und wirtschaftliche Blockadeaktionen, etwa von Treibstoffdepots, sind stark in den Vordergrund gerückt. Es gibt Demonstrationen und Straßenschlachten mit der Polizei.

Bleibt abzuwarten, ob es das Spektakel Fußball-EM beeinträchtigen wird.

Mein Pfeffi ist wichtiger als Deutschland!

Wir haben keine Lust auf euren „unverkrampften“ Partypatriotismus. Deutschland feiern heißt für uns Leistungszwang, Rassismus und Antisemitismus feiern. Statt beim Public Viewing findet ihr uns im Linksbüro, im Park beim prokrastinieren oder beim Pfeffi trinken. Aber keine Angst, wir werden das Geschehen um uns herum ständig kritisch verfolgen. Wir bleiben dabei: Gegen Deutschland und seine Fans!

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